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Mann hat Schmerzen im Knie

Schmerz: Was passiert bei akuten und chronischen Schmerzen?

Wann ist Schmerz sinnvoll?
„Schmerz findet im Kopf statt“. Ist da etwas Wahres dran? Tatsächlich ist Schmerz nichts anderes als ein elektrisches Signal, dass wir wahrnehmen. Und wahrnehmen tun wir alles über unser Gehirn.

Schmerzwahrnehmung – wie fühlt man Schmerz?

Unser Körper sendet also elektrische Signale an unser Gehirn, damit es diese in einen Schmerzreiz umwandelt. Diese Funktion ist zwar unangenehm, aber die wirksamste Schutzfunktion unseres Körpers.

Alle sensiblen Wahrnehmungen erreichen unser Gehirn über eine Verschaltung verschiedener Nervenbahnen. Ein Schmerzreiz beginnt an sogenannten Rezeptoren, kleine Nervenendigungen in Haut, Gelenken und Organen. Sie reagieren immer dann, wenn sie eine Gefahr oder Schädigung ihrer umliegenden Zellen registrieren. Über elektrische Impulse informieren sie dann das Gehirn. Ihr Signal läuft entlang der Nervenbahnen über das Rückenmark hinauf bis unter die Schädeldecke. Hier werden diese Signale umgewandelt in einen Schmerz – den wir erst jetzt als solchen wahrnehmen.

Schmerz als Schutz – akuter Schmerz

Angenommen, du läufst barfuß draußen herum und steuerst direkt auf einen Scherbenhaufen zu. Du setzt deine Ferse genau darin auf – sofort reagieren die Schmerzrezeptoren deiner Fußsohle und senden ihre Warnmeldung blitzschnell hinauf an dein Gehirn, wo das Signal dir bewusst gemacht wird. Du verspürst stechende Schmerzen und brichst den Schritt sofort ab. Hättest du keine Schmerzen verspürt, wärst du mit vollem Körpergewicht hineingetreten und hättest deinen Fuß weit stärker verletzt.

Ähnlich ist es mit einer Verletzung. Wurdest du zum Beispiel gerade operiert, hast du eine anfangs schmerzende Narbe. Und was schmerzt, belasten wir nicht. Wir schonen es. Durch diesen Mechanismus können Verletzungen in Ruhe ausheilen. Je mehr der Schmerz nachlässt, desto belastbarer ist das Gewebe.

Akuter Schmerz schützt dich also davor, dein Gewebe stark zu schädigen oder es mehr zu belasten, als es aushält. Damit ist er ein Schutzmechanismus und gar nicht so negativ, wie er scheint. Er ist ein wichtiger Teil des Heilungsprozesses.

Schmerz als Erkrankung – chronischer Schmerz

Chronische Schmerzen sind ein sensibles und lang erforschtes Thema. Nach Definition hat der chronische Schmerz keinen körperlichen Auslöser mehr und der ursprünglich sinnvolle Schutzschmerz hat sich manifestiert. Die Ursache ist also behoben, das Nervensystem hat sich dem aber nicht angepasst.

Gründe für chronische Schmerzen

In der Forschung werden im Grunde zwei Ursachen definiert. Sie haben beide etwas mit der Schmerzwahrnehmung zu tun. Zum einen wird eine Übererregbarkeit der schmerzleitenden Nervenfasern diskutiert, wodurch sie schon bei minimalen Reizen Alarm schlagen. Wir sind einfach empfindlicher für Schmerz geworden. Eine weitere Ursache ist ein Umbau im Schmerzsystem. Hier entstehen neue Schmerzfasern und Rezeptoren, schmerzhemmende Strukturen hingegen bauen ab. Auch hier sind wir einfach empfänglicher geworden.

Wie kommt es zu einer Chronifizierung?

„Schmerz findet im Kopf statt“ – auch hier gibt uns unsere Einleitung die richtige Richtung. Denn Stress, Ängste und Depressionen, sich immer das schlimmstmögliche vorzustellen oder familiäre und soziale Konflikte sind gängige Risikofaktoren dafür, dass sich ein Schmerz manifestiert. Aber auch lang andauernde Schmerzerfahrungen, sei es durch ein starkes Trauma, das eigene Ignorieren („Ich halte das schon aus“) oder durch eine falsche Therapie, können zu einem Umbau in der Schmerzwahrnehmung führen.

Was hilft gegen Schmerzen?

Es ist also offensichtlich, dass Schmerz nicht gleich Schmerz ist und je nach Ursache eine andere Therapie erfordert. Über den richtigen Umgang berichten wir dir in einem gesonderten Beitrag.

Weitere Themen:

Quellen:

Harald Bant, G. P., et al, (2017). Lumbale Rückenbeschwerden. Georg Thieme Verlag.
Antje Hüter-Becker, M. D., Mechthild Dölken. (2015). Physiotherapie in der Orthopädie. Georg Thieme Verlag.

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