fbpx
Mensch macht einen Ausfallschritt auf einem Kissen

Propriozeption: Der sechste Sinn

Wie Tiefensensibilität unser Bewegen ermöglicht.

Das Wort Propriozeption setzt sich aus den lateinischen Begriffen proprius „eigen“ und recipe „aufnehmen“ zusammen. Wir nennen es Tiefensensibilität, also die Wahrnehmung des eigenen Körpers im Raum.  Wir möchten dir diese beeindruckende Fähigkeit ein wenig erläutern und dir erklären, warum sie ein wichtiger Bestandteil der Therapie ist.

Wie funktioniert Propriozeption?

Spezielle Nervenenden, sogenannte Rezeptoren, senden unserem Gehirn ständig Informationen über unseren Körper im Raum. Ob wir stehen, sitzen oder liegen, ob unsere Beine und Arme gestreckt oder gebeugt sind, ob wir still liegen oder uns bewegen. All das wissen wir, ohne hinzuschauen. So haben wir neben unseren fünf bekannten Sinnen Hören, Sehen, Fühlen, Riechen und Schmecken noch einen sechsten Sinn, der sicherlich mindestens genauso viel Beachtung verdient – die Tiefensensibilität. Ihr verdanken wir, dass wir uns überhaupt adäquat bewegen können.

Im Grunde teilt sich die Tiefensensibilität in drei Sinnesqualitäten – den Lagesinn, den Bewegungssinn und den Kraftsinn. Diese Sinne vermitteln uns spezielle Rezeptoren.  Sie sitzen in Muskeln, Sehnen, Bändern und Gelenkkapseln. Einige von ihnen reagieren auf Längenveränderungen, andere auf Spannungsveränderungen. Setzen wir uns beispielsweise hin, nehmen die Rezeptoren eine Dehnung in den vorderen Oberschenkelmuskeln wahr, die sich verlängern, genauso wie eine Spannungsabnahme der Muskulatur, die nun keine Kraft mehr für den Stand aufbringt. Dieses System greift bei all unseren Bewegungen, immer wenn wir unsere Position verändern oder unseren Kraftaufwand – also den ganzen Tag.

Der sechste Sinn

Aus den Signalen, die diese besonderen Rezeptoren den ganzen Tag an unser Gehirn senden, trifft dieses daraus Entscheidungen. Aus der Information, dass wir unsere Position verändern, zum Beispiel uns wieder hinstellen, aktiviert es automatisch unseren Rumpf, damit wir stabil sind. Auch wenn wir stolpern, nimmt es die Längen- und Spannungsveränderungen wahr und aktiviert sofort die nötige Muskulatur, die uns vor dem Fall schützt. Dieses System hilft uns den ganzen Tag dabei uns zu bewegen und aufrecht zu bleiben, ohne dass wir es bemerken. Es schützt uns vor Verletzungen und erlaubt uns, zu gehen, Treppen zu steigen oder das Essen zum Mund zu führen, ohne hinzusehen und ohne darüber nachzudenken. Unser sechster Sinn ist also mindestens genauso wertzuschätzen wie seine fünf Vorgänger und eine Raffinesse der Natur.

Wie kann man Propriozeption trainieren?

Vor allem im Sport und in der Rehabilitation ist es enorm wichtig, dieses System zu schärfen. Hochleistungssportler sind zu herausragenden koordinativen Leistungen fähig, nur durch ihren überdurchschnittlich ausgeprägten Bewegungssinn. Sie aktivieren automatisch die richtige Muskulatur zur richtigen Zeit und lassen damit ihr gesamtes Bewegungsbild leicht aussehen. Im Alter oder durch Gelenkverletzungen ist die Propriozeption häufig geschwächt. Die Folge ist ein verzerrtes Bewegungsbild, verminderte Wahrnehmung und damit eine erhöhte Anfälligkeit für Verletzungen.

Beispiel für Propriozeptionstraining

Einen Sinn schärft man, indem man ihn mit einbezieht. Es werden also vermehrt koordinativ anspruchsvolle Übungen in das Training eingebunden, die das Gleichgewicht fordern und damit automatisierte Reaktionen des Körpers provozieren. Übungen im Einbeinstand oder auf instabilen Unterlagen sind ein fester Bestandteil des propriozeptiven Trainings. Eine der einfachsten Maßnahmen zur Schärfung des Bewegungssinns jedoch, ist das Ausführen einer Übung mit geschlossenen Augen. Der Sinn des Sehens ist ausgeschaltet und der Bewegungssinn wird deutlich stärker aktiviert. Auch in unserer App findest du zahlreiche Übungen zur Förderung der Propriozeption und Koordination.

Was für uns Normalität ist, ist also eine unglaubliche Menge an Informationsfluss, den ganzen Tag und automatisch. Die Propriozeption ist eine bemerkenswerte Fähigkeit unseres Körpers – viel Spaß bei deinem nächsten propriozeptiven Training!

Weitere Themen:

Quellen:

Gerhard Aumüller, Gabriela Aust, Arne Conrad. (2020). Duale Reihe Anatomie. Georg Thieme Verlag.

Newsletter Anmeldung

Melde dich bei unserem Newsletter an. und bleib up to date. Wir halten dich auf dem Laufenden über wichtige Infos, Releases und Wissenswertes rund um Orthopy.