Gelenke bestehen aus Knochen, Knorpel, Bändern sowie Gelenkflüssigkeit, die zusammen eine reibungslose Bewegung gewährleisten. Eine Bewegungseinschränkung tritt auf, wenn diese feinen Strukturen geschädigt werden oder ihre Funktion verlieren. Egal ob Knie, Hüfte, Schulter oder Ellenbogen, wenn ein Gelenk blockiert oder einsteift, wird der Alltag schnell zur Belastung. In diesem Ratgeber erklären wir dir, welche medizinischen und strukturellen Ursachen hinter einer Gelenksteifigkeit stecken, wie schnell sich sogenannte Kontrakturen bilden und was man dagegen tun kann.
Bewegungseinschränkung in den Gelenken: Infos & Tipps
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Kinesio-Tape: Hilfe bei Verletzungen und Schmerzen Ist es schlimm, wenn mein Gelenk knackt?Quellen
Schomacher, J. (2017). Manuelle Therapie. Georg Thieme Verlag. Berg, F. v. d. (2016). Angewandte Physiologie 1: Das Bindegewebe des Bewegungsapparates verstehen und beeinflussen. Georg Thieme Verlag. Shacklock, M. (2006). From Neural Tension to Clinical Neurodynamics – A New System for Application of Neural Testing and Treatment Techniques. In Manuelle Therapie. Georg Thieme Verlag.Ursachen für Bewegungseinschränkungen: Warum werden Gelenke unbeweglich?
Die Auslöser für eine Einschränkung sind vielfältig. Häufig sind akute Verletzungen (wie Frakturen, Luxationen oder Sehnenrisse), Narbenbildungen nach Operationen oder chronische Verschleißerkrankungen wie Arthrose die Hauptursache. Schaut man sich den Körper jedoch im Detail an, gibt es drei strukturelle Systeme, die Ihre Beweglichkeit direkt hemmen können:
- Die Gelenkkapsel schrumpft: Jedes Gelenk wird von einer Kapsel aus Bindegewebe und stabilen Kollagenfasern umschlossen. Wird ein Gelenk nach einer Verletzung ruhiggestellt, verändert sich dieses Gewebe massiv: Die Kollagenfasern ordnen sich zufällig an, verkleben miteinander und die Kapsel verliert Wasser. Die Kapsel schrumpft im wahrsten Sinne des Wortes, was die Bewegung stark hemmt.
- Die Muskulatur verkürzt: Auch das Bindegewebe, das unsere Muskeln umhüllt, verklebt bei mangelnder Bewegung. Zudem nutzt das Gehirn nach Verletzungen oft einen natürlichen Schutzreflex: Es spannt die umliegende Muskulatur unbewusst und dauerhaft an, um die verletzten Strukturen zu schonen. Diese permanente Verspannung führt zu einer spürbaren Verkürzung des Muskels.
- Das Nervengewebe (Neurodynamik) ist blockiert: Nerven durchziehen unseren gesamten Körper und müssen sich bei jeder Bewegung dehnen und gleiten können (Neurodynamik). Verklebungen im Gewebe oder Druck durch Schwellungen können diese Gleitfähigkeit einschränken. Der Nerv reagiert darauf mit starkem Schmerz, was jede weitere Bewegung blockiert.
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Achtung bei Ruhigstellung: Die Gefahr von Kontrakturen
Jede längere Ruhigstellung birgt ein massives Risiko. Werden Gelenke nicht genutzt, kann es zu sogenannten Kontrakturen kommen. Das sind anhaltende Funktions- und Bewegungseinschränkungen, die durch die dauerhafte Verkürzung von Muskeln, Sehnen und Bändern oder die Schrumpfung der Gelenkkapsel entstehen.
Achtung: Schon nach 4 bis 7 Tagen der Ruhigstellung eines Gelenks kann sich eine solche Kontraktur entwickeln. Bewegung ist daher sehr wichtig für die Vorbeugung.
Prävention ab Tag 1 mit der Orthopy App: In unserem Trainingskatalog findest du bereits passende Trainingspläne für die allererste, akute Verletzungsphase. Mit sanften, mobilisierenden Übungen wirkst du dem Einsteifen von Beginn an entgegen.
Das Wichtigste dabei: Du kannst dein ärztlich erlaubtes Bewegungsausmaß (z.B. eine maximale Kniebeugung von 60 Grad) jederzeit direkt in der App eintragen. So stellt die App sicher, dass du das Gelenk optimal bewegst, deine frischen Verletzungen oder Operationsnähte aber niemals überlastest.
1. Training für die Gelenkkapsel: Beweglichkeit fördern
Die Gelenkkapsel ist eine Hülle aus Bindegewebe, die dein Gelenk umschließt. Durch längere Ruhigstellung nach einer Verletzung verliert die Kapsel Wasser, und ihre Kollagenfasern verkleben = die Kapsel schrumpft. Gegen diese Einschränkung der Kapsel hilft nur eines: frühe, mobilisierende Bewegung.
Mach direkt mit: Übung zur Gelenkmobilisation! Im folgenden Video zeigen wir dir eine einfache, aber hochwirksame Übung, um die Beweglichkeit deiner Gelenkkapsel sanft und sicher zu verbessern.
2. Training für die Muskulatur: Dehnfähigkeit wiederherstellen
Nicht nur die Kapsel, auch unsere Muskulatur und das umgebende Bindegewebe (die Faszien) leiden unter Inaktivität. Wenn wir uns nicht bewegen, verkleben die Kollagenfasern im Muskelgewebe. Zudem neigen Muskeln nach einer Operation durch einen Schutzreflex des Körpers zu dauerhaften, unbewussten Verspannungen (Verkürzungen).
Ist der Muskel aufgrund seines Bindegewebes verkürzt, helfen klassische Dehnübungen (Stretching).
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Mach direkt mit: Übung zur Dehnung der Muskulatur Mit der Übung in diesem Video zielst du direkt auf verkürzte Muskelgruppen ab, löst Verspannungen und schaffst wieder Raum für eine freie Gelenkbewegung.